Communitys, Facebook, Südtirol - Mark Ralea im Interview

8. Februar 2010

Hallo Mark, Du bist Mitglied im Vorstand des Bundesverband Community Management e.V. – Ein neuer Verband, ist das deutsche Vereinsmeierei oder eine Notwendigkeit?

In Deutschland hat man leider als Gruppe ohne offizielle Form kein Mitspracherecht, geschweige denn kann man bestimmte Anliegen durchsetzen. Da es einen relativ großen Bedarf gibt an Informationen und Beratung im Bereich Community Management, wollten wir eine unabhängige und neutrale Stelle etablieren, um dies zu erreichen. Außerdem ist der BVCM das Netzwerk für Community Manager, um sich gezielt auszutauschen – auch ein Grund, wieso wir inzwischen in mehreren deutschen Städten einen Community/Community Manager oder Community Management Stammtisch etabliert haben.

Die Kundentreue schwindet auf breiter Front, das gilt auch für die Urlaubsdestinationen. Wäre es für eine Urlaubsregion wie Südtirol möglich, mit einer Community hier eine stärkere Bindung herzustellen?

Grundsätzlich gilt für Communitys, ob es wirklich Sinn macht, eine eigene Plattform zu etablieren oder eher über asymmetrisches Community Management auf verschiedenen Plattformen die Zielgruppe zu informieren. Communitys mit regionalem Bezug funktionieren aber auch heute noch sehr gut, z.B. Stayblue, welches in Osnabrück seinen Beginn hatte und besonders dort eine sehr hohe Verbreitung genießt. Für eine Urlaubsregion wäre eine Community, welche die Dienstleister und Anbieter aus der Region bündelt, aber auch die Nutzer mit einspannt, wohl ideal. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man nicht nur eine stärkere Bindung, sondern auch einen Service für Interessierte mit der Community generieren kann.

Wenn ich thematisch Richtung Gardasee schaue, dann werden einige Portalbetreiber bestimmt sagen: „Community haben wir schon seit Jahren“ und meinen damit Diskussionsforen. Kannst Du kurz erläutern, was den Unterschied zwischen Forum und Community ausmacht?

Foren sind aus dem Internet schon lange nicht mehr wegzudenken und grundsätzlich stimmt die Aussage ja auch, dass ein Forum auch eine Community ist. Denn eine Community ermöglicht es den Nutzern mit einander zu kommunizieren und in einen Dialog zu treten. Wobei entscheidend ist, dass nicht nur eine Kommunikation 1:1, sondern auch 1:n ermöglicht wird. Aber – und das ist wohl der Unterschied – eine Community ist nicht zwangsläufig ein Forum. Im Endeffekt ist bei größeren Communitys nur ein Teil davon Forum und der Rest sind Unternehmens- oder Mitgliederprofile, Bilder mit der Möglichkeit sie zu kommentieren, vielleicht sogar ein Blog für den einzelnen Nutzer. Die technischen Möglichkeiten sind hierbei gewaltig, wobei es natürlich immer an die Zielgruppe angepasst sein sollte.

Facebook ist ein ganz heißes Eisen in Südtirol. Hotels experimentieren mit eigenen Fansites oder lassen oftmals Agenturen im Auftrag experimentieren. Lohnt sich eine Facebook-Site für ein einzelnes Hotel?

Facebook ist das Hypethema schlechthin in Deutschland und im Ausland. Die entscheidende Frage, die man sich als Hotelbetreiber oder Anbieter von Produkten stellen muss:

a) Bringt mir eine Facebook Fanpage mehr Verkäufe (oder Buchungen) oder Service am Kunden?

b) Kann ich meine Zielgruppe optimal erreichen?

c) Ist der Kosten/Nutzen Faktor in einem perfekten Rahmen

Leider können viele Betreiber diese Fragen gar nicht beantworten, wenn sie eine Fanpage haben. Es ist zwar schön 10.000 Fans zu haben, aber wenn im Endeffekt keine einzige Buchung generiert wird, dann hat sich der Aufwand nur bedingt gelohnt. Heißt, es macht am meisten Sinn, eine Strategie für Social Media Dienste zu haben und dort gezielt die Zielgruppe anzusprechen – ob das auf Facebook passiert oder bei einem anderen Dienst, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist nur, wo sich die Zielgruppe findet. Z.B. kann ich mir vorstellen, dass ein Hotel aus Mallorca optimal bei Facebook wirbt, während ein Hotel aus dem Tirol sich eher auf andere Netzwerke fokussiert – z.B. XING (wenn es teurer ist) oder WKW (wenn es 30+ Leute haben möchte).

Nachgefragt: Gibt es Kriterien, an denen man vorher bereits abschätzen kann, ob sich der Aufwand lohnt und was investiert werden muss? Kann man den Erfolg verbindlich messen?

Den Erfolg kann man wie bei allen Onlinemaßnahmen verbindlich messen und man sollte es auch. Z.B. als Hotelbetreiber würde ich auf zwei Dinge besonders eingehen:

a) Kundenfeedback und Service -> habe ich das Feedback aus Social Media Diensten gesehen und meinen Service dadurch verbessert? Wenn ja, wie viel Feedback habe ich erhalten und wie viel konnte ich davon umsetzen?

b) Wie viele Buchungen wurden generiert -> hierbei gehören nicht nur Facebook und Co. dazu, sondern auch Tripadvisor und andere Bewertungsplattformen. Habe ich dort Community Management betrieben und den Usern geholfen, auf Feedback reagiert und mich so positioniert, dass Kunden aufgrund dessen buchen?

Ich möchte hierbei ein schönes Beispiel aus meiner praktischen Arbeit als Berater näher beschreiben. Ein großes internationales Unternehmen, welches in der Unterhaltungsbranche tätig ist. In diesem Fall produzieren diese Fernseher. Jedenfalls hatten sie vor Jahren eine starke Stagnation im Absatz in Deutschland und konnten nicht genau klären, woran es lag. Eine der Gründe war, dass die junge Zielgruppe sehr gut und stark beworben wurde, aber irgendwann auch dieser Markt gesättigt war – denn man kauft eben nicht jeden Tag einen neuen Fernseher. Jedenfalls habe ich ihnen eine kurze Analyse dessen geliefert, was ich aus Bewertungen und Kundenportalen gefunden habe. Die Aussage war immer deutlich: Tolle Geräte, aber man kann sie als „Neuling“ einfach schwer bedienen und sollte sich das Handbuch durchlesen. Das Problem war nur, dass das Handbuch in der deutschen Version von jemandem übersetzt wurde, der wahrscheinlich „Google Translator“ heißt. Das konnte niemand lesen, geschweige den verstehen. Das Handbuch wurde richtig übersetzt und wurde für ältere Fernseher per Download und per Post zugeschickt und bei neuen Fernsehern war es dann mit dabei. Die Umsatzzahlen stiegen deutlich an, denn Personen ab 35-40 lesen Handbücher und nehmen Empfehlungen von Bekannten und Freunden ernst. Diese haben die Geräte empfohlen, da aktiv auf das Kundenfeedback reagiert wurde und weil das Handbuch endlich für jeden lesbar war.

Gib den Lesern doch noch den Tipp, auf was sie bei Dienstleistern achten sollten.

Wie bei allem sollte man ein gutes Gefühl haben und alles auch kritisch hinterfragen. Denn Social Media bedeutet auch einen offenen Dialog mit Nutzern zu führen, welcher nicht immer nur positiv ist. Berater sollten nicht nur auf die Chancen, sondern auch auf die Risiken hinweisen. Neben diesem würde ich ein gemeinsames Ziel ausgeben, was in soll 6-12-24 Monaten erreicht werden soll. Dabei sollte der Berater, aber auch das Unternehmen, sich keinen Tagträumen hingeben und realistische Ziele definieren. Wichtig bei jedem Engagement in diesem Bereich: Langfristig planen und durchführen. Langfristig ist alles über 24 Monate.

Mark Ralea, Vorstand und Gründungsmitglied des Bundesverband Community Management e.V., ist einer der führenden Community-Manager in Deutschland.

http://www.xing.com/profile/Mark_Ralea
http://www.eikyo.de/
http://twitter.com/ralea

Matthias

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Links von Facebook, Twitter und Wikipedia

2. Februar 2010

Weil nach meinem Facebook-Artikel bestimmt gleich nach den Links gefragt wird, möchte ich dazu auf zwei Videos von Matt Cutts verweisen.

Beinahe interessanter ist die Aussage bei 1:50 Minuten, die mit einem Mythos aufräumt, gegen den ich schon seit Jahren in meinen Seminaren anrede: “It´s not like an link from an edu automatically carries more weight or an link from a gov automatically carries more weight. “

Und in diesem Zusammenhang wäre auch die Frage zu klären, ob die (NoFollow-Links) bei Wikipedia Einfluß auf das Ranking haben.

Nein, haben sie nicht. Ein Wikipedia-Link ist jedoch aus einem anderen Blickwinkel hochinteressant: Wikipedia-Artikel werden oft gelesen, die Verweise auf externe Quellen gerne geklickt. Das bringt Besucher, die tatsächlich an weiterführenden Informationen interessiert sind. Je mehr interessierte Menschen diese Quellen besuchen, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit dass diese Quellen freiwillig verlinkt werden – entsprechend wertigen Inhalt vorausgesetzt.

Matthias

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Facebook

2. Februar 2010

Ich weiss, Facebook ist in Südtirol populär, manche haben auch noch meine Assage im Hinterkopf, dass Facebook nicht lohnt … und jetzt habe ich mein eigenes Profil reaktiviert. Bei der Aussage, dass sich eine Facebook-Seite für ein Hotel (Unternehmen allgemein) nicht lohnt oder vielleicht in ganz speziellen Einzelfällen, dabei bleibe ich. Vieles ist einfach nicht Facebook-kompatibel oder muss an der überzogenen Erwartungshaltungen scheitern.

Innerhalb weniger Tage habe ich beinahe 200 “Freunde” eingesammelt, darunter ein gemischtes Publikum aus ganz Bekannten von meiner Zeit als Ministrant (ja, zusammen mit dem heutigen Chef-Redakteur der Online-CHIP), der Schulzeit, der Sturm-und-Dran(k)-Zeit bis zu liebgewonnenen Mitbewerbern im SEO-Biz und einigen Kunden, bei den ich mir sicher bin, sie durch ein bisserl Gaudi auf Facebook nicht zu verschrecken. Eine eigene SEO-Gruppe haben wir auch auf Facebook gegründet. Die scheint im Gegensatz zur Mehrzahl der Gruppen zu arbeiten, wohl auch weil sich die 30 Mitglieder persönlich kennen und auch Treffen im echten Leben anstehen.

Vieles werde ich in den kommenden Monaten auf Facebook ausprobieren oder ausprobieren lassen, schließlich gibt es inzwischen sogar auf Facebook spezialisierte Berater. Falls ich mit Rückfragen einmal zu sehr nerve, bitte ich mir das einfach mitzuteilen. Über die Erfahrungen werde ich hier auch ab und zu schreiben. Wer mag, der kann mich auch am 9. Oktober darüber sprechen hören bei der Landeskonferenz der Wirtschaftsjunioren Bayern, die diesmal zusammen zusammen mit der Jungen Wirtschaft Oberösterreich und den Wirtschaftsjunioren Budweis ausgerichtet wird.

Matthias

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Google sucht Streit mit Berlusconi

16. Januar 2010

Berlusconi bekommt nun Ärger mit Google. Der Suchmaschinengigant sieht die geschäftlichen Belange von YouTube beschränkt, sollte Italiens Regierung auf die Inhalte der Video-Plattform Einfluss nehmen zu wollen. Vordergründig geht es natürlich um Zensur bzw. Redefreiheit im Web (ähnlich wie aktuell in China). Auch bei Berlusconi dreht es sich um Geld und zwar recht eigennützig. Seiner Mediaset sei, so hat er es hochrechnen lassen, durch Copyright-Verletzungen ein Schaden von 500 Millionen Euro entstanden.

Quelle: Big G vs. Big B bei Bloomberg

Matthias

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Neues von "Verwandte Suchbegriffe" bei Google

12. Januar 2010

Neues bei den der Anzeige von “Verwandte Suchbegriffe” in der Google-Websuche: Bisher war es so, dass bei Ortsbezogenen Suchen, beispielsweise nach Reisedestinationen, immer passende Suchen zum Ort angezeigt wurden. Davon rückt Google nun ab. Dass bei manchen Suchanfragen in Kombination mit dem Begriff Gardasee nun Vorschläge zu Südtirol auftauchen, ist m.E. stimmig. Aktuell scheint Google jedoch die verwandten Suchbegriffe nicht nur aus dem Ort heraus zu generieren, denn bei der Suche nach “Ferienhaus Gardasee” taucht plötzlich “Ferienhaus Dänemark” als Vorschlag auf.

Und noch eine aktulle Änderung: Google scheint ungefiltert Begriffe mit offensichtlichen Rechtschreibfehlern anzuzeigen, wie im Screenshot zwei “skigebite südtirol”. Den Rechtschreibfehler an sich erkennt Google, denn der Suche nach “skigebite” folgt der Hinweis “Meinten Sie: skigebiete südtirol”.

Matthias

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